Musiktheater an der Volksbühne. Am Sonntag (22.02.) gastierte das schauspielhannover mit seiner Produktion „Lulu“ in der Hauptstadt. Der Andrang ist nicht zu verkennen: Zwei Tage ist Folge war das Gastspiel bis auf den letzten Platz ausverkauft und am Ende jubelt das Publikum. Ich muss mich mit Jubeleien zurückhalten, dem ganzen Abend jedoch Respekt zollen.
Der Regisseur David Marton hat das Schauspiel „Lulu“ von Wedekind mit der gleichnamigen Oper von Alban Berg auf skurile und manchmal langatmige Weise, miteinander verknüpft. Das spannendste an diesem Abend ist die vielschichtige Darstellung der einzelnen Personen. Lulu wird gleich von drei Frauen in Szene gesetzt. Den schauspielerischen Part übernimmt Lilith Stangenberg, Jelena Kuljic gibt der Gefallenen die Jazzstimme und Yuka Yanagihara interpretiert den Opernpart. So wechseln sich die drei Frauen in ihrer Rolle ab, mal wird gesungen, mal gesprochen und mal einfach nur geknutscht. Ebenso verfährt der Regisseur mit den Hauptdarstellern, die mal der Vater, mal der Verlobte und mal der Liebhaber sind. Der Geschichte zu folgen bleibt bei der Verschachtelung des Plots und dem wechselnden Einsatz des Erzählinstrumentariums erweckend und erhellend.
Die gesamte Geschichte spielt sich in einem offen Haus, mit einem durch roten Teppich akzentuierten Aufgang in das Nichts des Bühnenhimmels ab. (Bühne Alissa Kolbusch) Im vorderen Teil des Geschehniss sitzen die beiden Musiker, die am Piano (Jan Czajkowski) und dem Synthie (Sir Henry) das musikalische Bild prägen. Das gesamte Orchester wird von einem Laptop ausgebootet, woran die klangliche Vielfalt der bergschen Oper arg zu knabbern hat. Oberhalb des großen Raumes, der mal Tonstudio, mal Liebesnest und mal Straße ist, liegt die graue Kabine, in der sich sich die Darsteller immer wieder treffen. Von hier aus gibt der Aufnahmeleiter Anweisungen, wie gesungen werden muss oder Lulu ermordert in dreifacher Weise den Vater ihres Verlobten, mit dem sie ein Verhältnis hat.
Schwungvoll hecheln die Darsteller über die Bühne, rennen herum und lassen sich nur in ganz wenigen Momenten von Ruhe und Präzision inspirieren. Neben dem explosiven Mix aus Popgesang, Opernarien und Neuer Musik geht der Kern des Stückes verloren. Hier wird zwar eine Geschichte erzählt, doch im Mittelpunkt steht die rasanten Einfälle und Verknüpfungen von Musik und Schauspiel. An einigen Stellen gelingt dies nicht, nämlich immer genau dann, wenn ich mich nach Ruhe sehne um das Gesehene und Gehörte auf mich wirken zu lassen.